Studieren in Korea

Vorstellungen

Bushaltestelle in KoreaAls ich mir gegen Jahresende 2002 überlegte, ob ich Südkorea als Austauschziel wählen sollte, wusste ich so gut wie nichts über dieses Land. Ich wusste die Olympischen Spiele in Seoul („Irgendwann in den 80ern“), ich wusste Nordkorea vs. die USA. Und bald im Frühjahr erfuhr ich in den Nachrichten, wie die U-Bahn in Daegu abgebrannt ist. Dazu kam noch SARS…
Aber es war mir egal. Ich hatte ausserdem im Januar nette Koreanische Austauschstudentinnen in Finnland kennengelernt und durch sie erfuhr ich, dass die Leute in Korea ganz normal sind und ein Leben wie jeder führen. Also habe ich mich für die Sookmyung Women’s University in Seoul beworben.
Vorbereitungen
Nach der Zusage eine Woche später im Februar waren es noch sechs Monate bis zum Semesteranfang, also hatte ich genügend Zeit, mich um alles Nötige zu kümmern. Ich habe mich entschieden, einen Monat früher anzureisen, um mich ans Leben in Korea zu gewöhnen, bevor das Semester losgeht. Ich kam am 1. August an. Als Austauschstudentin war es recht unkompliziert nach Korea für ein Jahr zu kommen. Mit Antrageformular, Zusagebrief von der Sookmyung, Passfoto und Reisepass samt 50 Euro bekam ich mein Studentenvisum (Status D-2) für 12 Monate innerhalb von zwei Tagen an der Botschaft der Koreanischen Republik in Helsinki. Meinen Flug habe ich sehr früh gebucht, um sicher zu sein, dass ich genau an dem geplanten Tag fliegen kann. Sonstige Vorbereitungen gab es eigentlich nicht. Nur das Schlimmste: was nimmt man denn für Klamotten mit für dieses Klima, für ein Jahr… unter 20kg.

Ankunft am Incheon International Airport

KoreaMein „Buddy“ (eine Mitstudentin von der Uni) hat mich vom Flughafen abgeholt und zu meinem Wohnheim gebracht. Zuerst sind wir mit dem Bus bis zum Seoul Station gefahren, und von dort aus weiter mit dem Taxi.
Der Taxifahrer hat nicht mit dem Koffer geholfen und hatte ausserdem den Kofferraum mit seinem eigenen Kram vollgestopft – also Koffer ab auf den Hintersitz – mit mir. Und das bei +30°C im Schatten. Wobei Schatten gab’s nicht.
Ich hatte Glück, als einzige Studentin im Lehrergebäude ein Einzelzimmer mit eigenem Bad und Küche zu bekommen und das für 350.000krw (240-280e) monatlich. Normalerweise teilt man ein Zimmer (ohne Küche) mit einer weiteren Studentin. Trotz dieses „Glücks“ bin ich fünf Monate später in eine eigene Wohnung umgezogen und geniesse meine gewonnene Freiheit seitdem. Wohnheime haben strenge Regelungen wenn es um Besuch, Alkohol usw geht.
Das Kennenlernen lokaler Leute
Ich habe sehr schnell KoreanerInnen kennengelernt, dadurch dass man hier als weisse Frau auffällt; an der Uni, in Cafe’s, überall. Ich hab auch sehr schnell andere Ausländer ennengelernt. Und bald bekam ich schon Einladungen zu Familienfeierlichkeiten wie Chuseok (Korean Thanksgiving), Hochzeiten usw. Man will Dich kennenlernen, weil
1) Du einfach anders bist
2) Du (vielleicht) tatsächlich nett bist aber auch weil
3) man mit Dir sein Englisch üben kann.

„Korean or Western age?“

Fisch in KoreaHöflichkeit über Alles. Andererseits hörst Du keine „Entschuldigung“, falls man Dir auf die Zähe tritt. Man soll sich weder zu viel noch für Kleinigkeiten entschuldigen, denn dies nagt an Deiner Glaubwürdigkeit. An der Verbeugerei gewöhnt man sich schnell und es kommt einem nach einiger Zeit nicht einmal mehr unnatürlich vor. Wenn man die Koreanische Sprache lernt, merkt man, dass es sehr wichtig ist, wie man mit den Leuten (ob Kinder, Freunde im gleichen Alter, Ältere Leute, Professoren,…) spricht. Für jede Situation gibt es einen eigenen Sprachstil. Benutzt man den falschen, kann es sein, dass man den Gesprächspartner sehr verletzt.
Jedoch, als AusländerIn ist es erstmal nicht so schlimm und die Koreaner schätzen es auch sehr, falls Du Dir wirklich Mühe gibst, die Sprache zu lernen und sie zu verwenden. Es ist sehr wichtig in Korea, das Alter der Person zu wissen, damit man weiss, wie man sie anspricht. Schon ein Jahr Unterschied ist wichtig! Frauen sollten sich einfach daran gewöhnen, ihr wahres Alter zu erzählen. In Korea rechnet man das Alter übrigens anders. Wenn man geboren ist, ist man schon ein Jahr alt. Und ein neues Jahr wird dazu gerechnet am Anfang des Mondkalenderjahres, welches im Jahre 2004 den 22. Januar war. Obwohl ich erst am Ende dieses Jahres 25 werde, bin ich in Korea schon jetzt 26.
Gemischte Gedanken
Es war definitiv eine der besten Entscheidungen meines Lebens, ein Jahr oder gar länger falls ich eine Arbeit finde, in Korea zu sein. An meiner Universität bin ich die erste Austauschstudentin an der Fakultät der Multimedia und Animation, und ich habe das ganze Herbstsemester Koreanisch als Unterrichtssprache gehabt.
Kann ich echt schon so gut koreanisch? Nein. Ich habe damit erst angefangen, als ich in Korea ankam, aber man lernt auch schnell und die Lehrer haben sich wirklich Mühe gegeben, mir das Nötigste auf Englisch beizubringen. Und in diesem Fach ist es auch nicht so wichtig, die Sprache zu können, denn ein Computersoftware ist dasselbe – überall.

Diese Sprache ist nicht unmöglich zu lernen, nicht einmal in einer so kurzen Zeit wie ein Jahr. Nach einem halben Jahr habe ich schon wirklich eine Ahnung davon und komme mit meinen Sprachkenntnissen im Taxi, Supermarkt, Restaurants usw. zurecht. Und jeden Tag lernt man Neues. Ich glaube allerdings nicht, dass das Lernen dieser Sprache für mich leichter ist, weil sie mit dem Finnischen verwandt ist.
Es ist sehr billig, im Restaurant zu essen, es sei denn Du bevorzugst „western food“. Als VegetarierIn merkst Du sehr bald, dass die Auswahl vegetarischer Gerichte ziemlich begränzt ist. Ich habe aber meine eigene Küche, meine westlichen Restaurants und habe bis jetzt gut überlebt. Denn nach zwei Wochen „bibimbap“ (Reis mit gemischter Gemüse) täglich verlange ich schon Abwechslung.. und nach paar Monaten hat’s mir auch gereicht.

Zum Schluss

Halbzeit ist um und ich geniesse mein Austauschjahr wie nie zuvor. Du kannst meine Abenteuer auf dem Koreanischen Halbinsel auf meiner Homepage

http://www.uta.fi/~jj63634/indexg.html

lesen und falls Du Fragen hast, egal was, stehe ich selbstverständlich zur Verfügung.
Also, worauf wartest Du noch? Ab nach Korea!


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